Húnn - Tenningr - Verpill


Verschieden Funde und einige Sagas belegen, daß Hnefatafl auch unter Verwendung eines Würfels gespielt wurde. In der Wikingerzeit gab es drei Bezeichnungen für Würfel: verpill (vgl. dtsch. Würfel), tenningr (vgl. norw. terning) und die etwas rätselhafte Bezeichnung húnn.

Inhalt:

1. Der Húnn
2. Der Stangenwürfel - Stangtenningr
3. Verpill - Der Würfel
4. Zwischenformen - Der Westerwannawürfel

Der Húnn

Húnn bezeichnet ein vierkantiges Stück Walfleisch, ein vierkantiges Holz (Klotz), den Hnefi im Hnefatafl wie auch die einfachen Zabelmänner, ein Bärenjunges und auch einen Würfel.
Die Doppeldeutigkeit des Begriffes Húnn bildet die Grundlage für ein Wortspiel in den Heidreksrätseln (Heidreks gtur) der Saga von Hervör und König Heidrich (Hervarar saga ok Heireks).

Gtur Gestumblinda

Übersetzung

mlti Gestumblindi:

"Hverjar eru r brir,
er sinn drottin
vpnlausan vega;
inar jarpari hlfa
um alla daga,
en inar fegri fara?
Heirekr konungr,
hyggu at gtu."

Heirekr:
"G er gta n,
Gestumblindi,
getit er essar.
at er hnettafl;
inar dekkri verja hnefann,
en hvtar skja."

...

mlti Gestumblindi:

"Hvat er at dra,
er drepr f manna
ok er jrni kringt utan;
horn hefir tta,
en hfu ekki,
ok fylgja v margir mjk?
Heirekr konungr,
hyggu at gtu."

Heirekr:
G er gta n,
Gestr blindi,
getit er þeirrar:
húni man sfá vera
hnefatafli,
frekr ok flárr til fjár

Da fragte der blinde Gast:

Wer sind die Weiber
die waffenlos
für ihren König kämpfen?
Die Schwarzen verteidigen ihn,
an all den Tagen,
wenn die Weißen angreifen.
Knig Heidrich,
kannst du es erraten?

Heidrich:
Gut ist dein Rtsel,
blinder Gast
gleich ist's erraten:
Das ist im Königszabel
den König bekämpfen die hellen (Zabelsteine)
doch die Dunklen halten zu ihm.

...

Da fragte der blinde Gast:

Wie heißt das Tier,
daß machen Mann tötet.
von Eisen umgeben ist,
acht Hörner (Ecken) hat,
kein Haupt besitzt,
und eine zahlreiche Folge zählt?
Knig Heidrich,
kannst du es erraten?

Heidrich:
Gut ist dein Rtsel,
blinder Gast
gleich ist's erraten:
Das ist der Klotz (Bär, Würfel)
beim Königszabel,
viel zu gefräßig und falsch.

Auch im Deutschen benutzt man manchmal die Bezeichnungen Bär oder Klotz für einen Menschen, der unpassend hereinplatzt und sich benimmt wie der Bär, ähh... wie der Elefant im Porzellanladen. Daher ist die Übersetzung: "Das ist der Klotz beim Königszabel" treffend, vor allem, da sie zudem einen Stabreim ergibt.

Die allerersten Würfel, die in der gesamten antiken Welt benutzt wurden, waren Sprungbeine von Schafen oder Ziegen. Die Griechen prägten hierfür den Begriff Astragalos, während die Römer sowohl den Würfel als auch den Fußwurzelknochen als Talus bezeichneten.
Damit man seine geliebten Würfel vom den normalen Knochen, d.h. vom Schlachtabfall, unterscheiden konnte und um sie ggf. auf ein Band auffädeln zu können wurden sie, wie das nächste Bild zeigt, in der Mitte durchbohrt.

Hunn

Ein Húnn aus Dänemark


In den germanischen Gebieten, d.h. nördlich des Limes, bestanden diese Astragal-Würfel eigentlich ausschließlich aus besagten durchbohrten Knochen, wohingegen die Römer vermehrt auch Nachbildungen ihrer Tali aus Bronze oder Talk (Steatit) anfertigten.

Römischer
Bronze-Talus

Römischer
Talk(Steatit)-Talus

Welche Werte den vier Seiten des Würfels zugeordnet wurden ist unterschiedlich. Bei den Römern waren es die Augenzahlen eins, drei, vier und sechs.
Der Húnn, der Germanen, wurde wahrscheinlich mit den Augen null, eins, zwei und drei bewertet.

Römische Mädchen, das mit Astragaloi spielt

Ein Statue eines römischen Mädchens, das mit Astragalen spielt

Wie ein Würfel beim Hnefatafl eingesetzt wurde, ist weitestgehend unklar. Wahrscheinlich bestimmte der Húnn die höchstmögliche Anzahl an Spielfeldern, die ein Zabelmann oder ggf. nur der König/Hnefi ziehen darf. Offensichtlich muß der Spieler, bevor er würfelt ansagen, welchen bestimmten Stein er bewegen möchte.


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Der Stangenwürfel - Stangtenningr

Der Stangenwürfel war bei den Germanen besonders bis zur Zeitenwende verbreitet. In diesen Jahrhunderten war der Kulturaustausch mit den Kelten, von denen der Stangenwürfel übernommen wurde, besonders stark.
Stangenwürfel wurden üblicherweise in Sätzen von zwei bis drei Stück gefunden. Die kleinen Flächen für die Augezahlen eins und zwei sind meist nicht beschriftet, so daß man nur die Augenzahlen drei, vier, fünf und sechs würfeln kann.
Wahrscheinlich wurden die Stangenwürfel derzeit für eine Spielart des Wurfzabels genutzt.
Übrigens, es wurden bei Grabungen auch Würfel gefunden, die in sich kleine Gewichte bargen um eine Zahl bevorzugt zu werfen. Also auch damals hat man sich schon gegenseitig übers Ohr gehauen.


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Verpill - Der Würfel

Replik eines
Knochenwürfels

Knochenwürfel
aus dem 12.Jh.

Verpill und Tenningr sind Begriffe, die den üblichen sechseitigen "Mensch-ärgere-dich-nicht-Würfel bezeichnen.
Den sechsseitigen Würfel haben die Germanen von den Römern, insbesondere in den Grenzgebieten des Limes übernommen.
In die Zeit der Wikinger und Angelsachen wurden solche Würfel überwiegend aus dem Horn von Geweihen hergestellt. Andere Materialen zur Würfelherstellung waren Knochen, Walroßelfenbein, Holz, und Pechkohle (Gagat).
Auf den sechs Flächen befanden sich die üblichen Augen eins, zwei, drei, vier, fünf und sechs, wobei die Augenzahlen der beiden gegenüberliegenden Seiten nicht immer wie bei heutigen Würfeln sieben ergaben.
Aus dem wikingerzeiltlichen Dublin stammt ein etwas seltsamer Würfel mit den Augenzahlen drei, vier, vier, fünf, fünf und sechs.
Mit den Würfeln wurden wahrscheinlich ganz einfache Spiele wie z.B. "Wer würfelt die höchste oder niedrigste Augenzahl" gespielt, wie es einige Sagas vermuten lassen. Aber auch Spiele wie Kniffel oder eine Verwendung beim Kvátrutafl oder Hnefatafl sind wahrscheinlich.


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Zwischenformen - Der Westerwannawürfel

Mit der Zeit entwickelten sich auch einige Zwischenformen aus Stangtenning und Verpill, bei denen es auch möglich war die Augenzahlen auf den kleinen Flächen des Würfels zu würfeln.
Wahrscheinlich wurden sie für Spiele benutzt, bei denen gerade die Augenzahlen auf den kleinen Flächen eine besondere Bedeutung hatten. Ob dies besonders günstig oder schlecht für den Spielverlauf war läßt sich nur vermuten.

Frühmittelalterlicher
Bein-Würfel
aus Deutschland

Wikingerzeitlicher
Horn-Würfel
aus Schweden


Eine besondere Art des Würfels war der sogenannte Westerwanna-Würfel. Wie es der Name andeutet, konnte diese Art an Würfeln ausschließlig im Nordwesten Deutschlands, an den Mündungen von Elbe und Weser gefunden werden. Er war eine Art zu kurz geratener Stangenwürfel mit abgerundeten Enden, so daß die Gesamtform eher eiförmig erschien. Ein Westerwanna-Würfel wies üblicherweise die Augenzahlen zwei, drei, vier und fünf auf.


Westerwannawürfel

Westerwanna-Würfel


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Quellenverzeichnis

1. Arjan Verweijs Würfelsammlung
2. Michaelsen, K.K., "Bræt og Brik - Spil i jernalderen", Wormianum, 1992
3. Arild Hauge Vikingspill


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